Dog-Sport by Mario Schnee " Global Friends of Schutzhund " - der Wolf -

Als gelbäugiges, erbarmungsloses, blutrünstiges Schattenwesen umkreist der Wolf die Welt des Menschen

Haust in den Kiefernwäldern jenseits des Feuerscheins und geistert als dunkle Macht durch uralte Mythen. Es ist kaum verwunderlich, dass der Mensch seit Jahrtausenden eine Art Hassliebe zu diesem Raubtier hegt, denn der Wolf hat mit ihm nicht nur dasselbe Territorium geteilt, er ist ihm in vielen Punkten auch recht ähnlich. Mit Ausnahme seines Todfeindes, des Menschen, ist der Grauwolf das Säugetier mit dem größten Verbreitungsgebiet. Schon vor 12'000 Jahren erkannten unsere Vorfahren im Nahen Osten sein ausgeprägtes Sozialverhalten und begannen, ihn zu zähmen, und machten Ihn damit zum Urahn aller 120 heutigen Hunderassen. Die Ergebenheit des Wolfes seinem Rudelführer gegenüber, seine zärtliche Fürsorge bei der Aufzucht der jungen, seine geschickte Jagdtechnik, sein Heulen, selbst seine blutdürstige Natur, manchmal tötet er nur um des Tötens willen. Deshalb bevölkert der Wolf wohl auch so viele Märchen und Mythen. Diese Fehleinschätzung ist größtenteils das Werk bäuerlicher Kulturkreise in Europa, die nach einer Rechtfertigung für die Vernichtung eines Raubtieres suchten, das gelegentlich Appetit auf ihre Haustiere verspürte.

In Nordamerika, wo die indianischen Jäger und Sammler keine Vieh, Ziegen, oder Schafherden kannten, wurde der Wolf geachtet und sogar verehrt. Er galt als stark und weise, als geborener Jäger, sogar als Lehrer, dessen Jagdtechniken der Mensch nachahmen und erfolgreich gegen Büffel und Karibus einsetzen konnte. Doch mit der Ankunft der europäischen Siedler im 17. Jahrhundert begann auch in Amerika die Ausrottung des Wolfes. Die Tatsache, dass der Wolf im Laufe der letzten 300 Jahre sowohl in Europa als auch in fast allen amerikanischen Bundesstaaten gänzlich ausgerottet wurde, ist auf die Macht der bäuerlichen Gemeinschaften zurückzuführen, die immer wieder neue Mythen und Gesetze erfanden gegen die Bedrohung durch den "Grossen Bösen Wolf", der an die Haustür klopft und nur darauf wartet, sämtliche Bewohner mit Haut und Haar zu verschlingen.

Tatsache ist, dass kein anderes Tier auf so unverdiente Weise dämonisiert und so gründlich missverstanden wurde wie der Wolf.

Einst bevölkerten Wölfe den Grossteil Nordamerikas - von den eisigen Inseln Kanadas bis zu den trockenen zerklüfteten Gebirgsregionen Zentralmexikos. Die einzigen Gebiete, in denen sie nie lebten, waren der südöstliche Zipfel der USA und die kalifornische und mexikanische Küstenregion. Innerhalb dieses riesigen Verbreitungsraumes passte sich der Wolf den verschiedensten klimatischen und geographischen Bedingungen an und stellte sich auf eine Vielzahl von Beutetieren ein. Einige Wissenschaftler glauben, dass diese unterschiedlichen Bedingungen dazu führten, dass sich in Nordamerika 24 Untergruppen von Wölfen entwickelten. Andere gehen von einer sehr viel kleineren Zahl aus und sprechen von nur fünf Untergruppen.

Nur wenige Säugetiere weisen ein so hoch entwickeltes Sozialverhalten auf und sind ihrer Gruppe so treu ergeben wie der Wolf. Im Gegensatz zum Kojoten und Fuchs lebt der Wolf einzig und allein für sein Rudel. Der berühmte "einsame Wolf" ist die seltene Ausnahme. Meist handelt es sich dabei um schwache Tiere, Außenseiter oder Ausgestoßene. Ein solcher Einzelgänger muss manchmal zwischen zehn und 1000 Kilometer zurücklegen und vorsichtig die Territorien fremder Rudel durchqueren, bis er endlich eine Gefährtin findet, mit der er sein eigenes Rudel gründen kann. Doch für die meisten Wölfe beginnt und endet das Leben in einer festen sozialen Gruppe, einem Rudel von acht bis 15 Tieren. Die Rangordnung ist allen Mitgliedern bekannt und wird immer wieder durch kleine Gefälligkeiten, Rituale, Zurechtweisungen und Kämpfe aufrechterhalten. Rudelführer sind das so genannte Alpha-Männchen und das Alpha-Weibchen. Die übrigen, rangniedrigeren Mitglieder sind meist direkte Nachkommen des Alpha-Paares, so dass das Rudel im Grunde aus einer einzigen großen Familie besteht. Einige rangniedrige Wölfe helfen bei der Fütterung und Aufzucht der Welpen, die jedes Jahr im Frühling geworfen werden. Gejagt wird stets gemeinsam. Die Rudelmitglieder pflegen engen Körperkontakt, ruhen zusammen aus und heulen oft auch gemeinsam. Ihren Anführern demonstrieren sie jeden Tag aufs neue mit ritualisierten Verhaltensweisen ihre Ergebenheit.

Die Fähigkeit zu einem komplexen Zusammenleben innerhalb einer Gruppe unterscheidet den Wolf von den meisten anderen nordamerikanischen Tieren. Rangniedrige jüngere Wölfe verneigen sich buchstäblich vor den Alpha-Tieren und demonstrieren so ihre Unterwürfigkeit. Im Gegensatz zu den dominanten Rudelführern, die mit erhobenem Bein urinieren, nehmen viele rangniedrige Wölfe eine Hockstellung ein, um die Verteilung ihrer Duftmarkierungen möglichst gering zu halten. Bei den meisten Rudeln fungiert regelmäßig ein schwächeres Tier als "Babysitter', hilft bei der Beaufsichtigung der Welpen und bleibt häufig hungrig zurück, während die Alpha-Eltern gemeinsam jagen. Beim Angriff auf große Beutetiere wenden Wölfe eine Vielzahl von Gruppenstrategien an. Sie werden von den Alpha-Tieren eingeleitet, die durch Lautäußerungen, Mienenspiel und Körpersprache ständig mit den anderen Rudelmitgliedern kommunizieren.

Eine andere Aufgabe des Rudels besteht darin, das Territorium gegen fremde Eindringlinge zu schützen. Die starke Bindung an ein bestimmtes Gebiet kann über mehrere Generationen erhalten bleiben. Die Grenzen werden streng bewacht und durch regelmäßige Markierungsrituale alle 100 bis 200 Meter im Umkreis des Gebietes immer wieder gesichert. Die Größe eines Territoriums, normaler- weise etwa 400 Quadratkilometer, hängt von der Dichte der Beutetierpopulation ab. Die Wölfe innerhalb dieses Gebietes betrachten das dortige Wild als ihre Beute. Fremde Wölfe, die in das Revier eindringen, werden angegriffen und gelegentlich sogar getötet.

Untersuchungen haben ergeben, dass Wölfe am liebsten wildlebende Tiere fressen, wenn möglich Huftiere wie Hirsche, Rehe und Bergschafe. Sie reißen jedoch auch andere Beutetiere, beispielsweise Bisons, Seehunde, Biber, Bisamratten, Wühlmäuse, Wasservögel oder Fische, und fressen mitunter sogar Abfälle oder Beeren. Zum Verhängnis wurde dem Wolf jedoch sein schlechter Ruf als Mörder von Nutztieren.

Zwischen 1630 und 1960 wurde infolge der voranschreitenden Besiedlung des Westens die Ausrottung der Wolfspopulation in Nordamerika systematisch betrieben. Zuerst wurden Wölfe, wie zuvor in Europa, von Farmern und Viehzüchtern getötet, sobald sie sich auf deren Weide oder Ackerland wagten. Als man auch den Westen zu erschließen begann, berichteten die ersten Forschungsreisenden, dass es in den Great Platins genauso viele Wölfe wie Büffel gäbe. Farmer, Viehzüchter und Trapper folgten den Forschern und begannen einen verheerenden Vernichtungsfeldzug gegen den Wolf. Zweifellos hat auch die radikale Ausrottung ihrer natürlichen Beutetiere, etwa der Bisons in den Prärien und der Hirsche im Osten Kanadas, zum Verschwinden der Wölfe beigetragen.

Der Vernichtungskampf gegen die nordamerikanische Wolfspopulation fand schließlich um 1960 ein Ende. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Wolf bereits in fast der Hälfte seiner ursprünglichen Verbreitungsgebiete ausgerottet. Außer in winzigen Gebieten im Süden der USA und in Mexiko.

Während der letzten Jahrzehnte hat sich das Ansehen des Wolfes in der Öffentlichkeit so grundlegend geändert, dass der langsame Niedergang der Wolfspopulation aufgehalten werden konnte. Teilweise ist dies auf die späte Erkenntnis zurückzuführen, dass der Wolf in den USA unmittelbar vor dem Aussterben stand. Ein sorgsamerer Umgang mit den natürlichen Beutetieren des Wolfes sowie die Abschaffung von Prämienzahlungen und Giftködern haben inzwischen dazu geführt, dass sich der Wolf in einigen Gebieten, aus denen er bereits verschwunden war, wieder ansiedeln konnte. Mit Ausnahme des Mexikanischen Wolfes nehmen die Bestände aller verbliebenen Unterarten in Nordamerika heute wieder zu.

Noch folgenreicher als die verbesserte Pflege der Wildbestände und die veränderte Gesetzgebung ist das neue Wolfsbild der Öffentlichkeit. Heute ist der Wolf ein muss für unberührte Natur. Menschen, die den Wolf am besten kennen, wie Forscher, Indianer, Trekking-Fans, kehren aus den letzten dem Wolf noch verbliebenen Rückzugsgebieten zurück und berichten von einem Wesen, das mit dem Ungeheuer aus den Schauergeschichten der Farmer und Siedler nichts gemein hat. Wolfskenner sind immer wieder tief beeindruckt vom liebevollen Umgang der Eltern mit den Welpen. Fütterung, Spiel und Erziehung der Welpen finden innerhalb des Rudels gemeinsam mit älteren Geschwistern statt. Auch die hoch entwickelte und hartnäckige Art des Rudels, Beute aufzuspüren und zu überwältigen, ist bemerkenswert. Obwohl der Wolf jahrhunderte lang als Viehräuber verfolgt wurde, weiß man heute, dass es in Wirklichkeit nur selten zu solchen Übergriffen kommt.

Menschen, die mit Wölfen zusammengelebt haben, sind immer wieder fasziniert vom ausgeprägten Sozialverhalten innerhalb des Rudels. Ständig bleiben die Rudelmitglieder miteinander in Körperkontakt, lecken sich gegenseitig die Schnauzen, beschnüffeln sich, reiben ihre Körper aneinander, messen spielerisch ihre Kräfte, helfen verletzten Rudelmitgliedern und beschützen die Welpen. Ebenso beeindruckt sind sie von der erstaunlichen Orientierungsfähigkeit dieser Tiere, der sorgfältigen Markierung der Wanderpfade, der Verteidigung der Territorialgrenzen und ihrer großen Ausdauer. Wölfe legen täglich weite Strecken zurück, bevor sie zu ihrer Höhle zurückkehren. Wenn nachts in den letzten Wolfsgebieten das unheimliche Heulkonzert beginnt, erkennt man erst jetzt, was man vernichten wollte!!!

Dieser Beitrag entstammt aus Lektüren und ist breitflächig zusammen getragen!

                                              Copyright